Wiener Forscher haben untersucht, wie gut die Kneipp-Medizin wissenschaftlich belegt ist – und fanden kaum brauchbare Studien.

Kneipp-Anwendungen wie kaltes Wasser, Wickel oder Kräutertees kennen viele von Oma und Opa oder aus dem Wellness-Urlaub. Doch Forscher der Medizinischen Universität Wien haben jetzt nachgeschaut, ob es eigentlich gute Studien dazu gibt. Sie haben 77 Arbeiten durchgesehen – und nur eine einzige war wirklich aussagekräftig. Das ist ein extrem dünnes Ergebnis. Die einzige Studie, die passte, war eine kleine Machbarkeitsstudie mit nur 30 Personen, also eher ein erster Test als ein echter Wirksamkeitsnachweis.

Die Forscher schreiben, dass in dem Feld grundlegende Standards fehlen: Vergleichsgruppen, Verblindung und relevante Ergebnisparameter seien „routinemäßig nicht eingehalten" worden. Systematische Untersuchungen des kompletten Fünf-Säulen-Systems – also Wasser, Bewegung, Ernährung, Pflanzenheilkunde und Lebensstil – gebe es gar nicht. Deshalb sagen die Wissenschaftler klar: Solange keine guten Studien vorliegen, bleibt die medizinische Relevanz der Kneipp-Medizin als eigenes Therapiesystem „unbegründet".