Der Generalsekretär der ÖVP, Nico Marchetti, gibt sein Amt nach knapp eineinhalb Jahren ab und bleibt vorerst im Parlament.
Nico Marchetti ist seit dem Frühjahr 2025 Generalsekretär der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Das ist so etwas wie der Chef-Organisator einer Partei: Er koordiniert die Arbeit zwischen Partei, Klub und Kanzleramt und ist oft das Gesicht nach außen. Am Dienstagabend hat Marchetti erklärt, dass er diese Aufgabe abgibt. Er sagt, er möchte sich beruflich neu orientieren und neben der Politik etwas Eigenes aufbauen. Nationalratsabgeordneter, Bildungssprecher und Bezirksparteiobmann in Wien-Favoriten bleibt er aber.
In der ÖVP wird über die Gründe für den Rücktritt viel spekuliert. Berichten zufolge war Marchetti intern schon länger unter Druck, weil die Umfragewerte der Partei zuletzt nicht besonders gut waren. Ein zusätzlicher Streitpunkt war laut Medienberichten sein Eintreten für Clemens Pig als neuen ORF-Chef. Insider sagen, das sei „das letzte i-Tüpfelchen“ gewesen, also der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Pig hat die ORF-Wahl am Ende tatsächlich gewonnen – aber innerhalb der eigenen Partei sorgte der Vorstoß für Verstimmung.
Bundeskanzler Christian Stocker hat sich am Dienstag bei Marchetti bedankt. Er sprach von „umsichtiger Tätigkeit“, „Engagement“ und „Loyalität“ in einer Phase mit vielen Umbrüchen. Auch die Koalitionspartner SPÖ und NEOS äußerten sich respektvoll: Man habe mit Marchetti stets auf Augenhöhe und verlässlich zusammenarbeiten können.
