Im Kosovo hat die Partei von Ministerpräsident Albin Kurti erneut eine Parlamentswahl gewonnen, aber keine eigene Mehrheit – jetzt wird verhandelt.

Im Kosovo wurde am Sonntag zum dritten Mal innerhalb von ungefähr eineinhalb Jahren ein neues Parlament gewählt. Die Partei Vetevendosje von Ministerpräsident Albin Kurti hat dabei laut der Wahlkommission in der Hauptstadt Pristina ungefähr 43 Prozent der Stimmen bekommen. Das war zwar der erste Platz, aber im Vergleich zur Wahl im Dezember 2025 sind das etwa 6,5 Prozentpunkte weniger. Insgesamt durften rund 2,1 Millionen Menschen wählen, darunter auch viele Kosovaren und Kosovaren, die im Ausland leben. Die Beteiligung war mit nicht einmal 37 Prozent so niedrig wie nie seit der Unabhängigkeit im Jahr 2008.

Auf den weiteren Plätzen landeten die liberale Demokratische Partei (PDK) mit gut 21 Prozent, die Demokratische Liga (LDK) mit knapp 18 Prozent, die konservative Allianz für die Zukunft (AAK) mit etwa 7 Prozent und die Serbische Liste mit gut 6 Prozent. Die LDK hatte die frühere Präsidentin Vjosa Osmani als Spitzenkandidatin aufgestellt. Die 20 Sitze im Parlament, die für Minderheiten reserviert sind, werden unter anderem von der Serbischen Liste besetzt. Das Wahlsystem in dem kleinen Balkanland ist so aufgebaut, dass eine Partei alleine kaum regieren kann.

Warum es überhaupt die Neuwahl gab: Das Parlament konnte sich nach dem Ausscheiden der früheren Präsidentin Vjosa Osmani im April nicht auf ein neues Staatsoberhaupt einigen. Dafür braucht es 80 von 120 Abgeordneten, die im Parlament anwesend sind – eine sogenannte Zweidrittelmehrheit. Diese Zahl hat Vetevendosje nicht. Jetzt soll es Gespräche mit anderen Parteien geben, um eine Regierung zu bilden und danach eine Präsidentin oder einen Präsidenten zu wählen.

Kurti hat am Wahlabend in Pristina angekündigt, in den kommenden Wochen mit allen Parlamentsparteien sprechen zu wollen. Er sagte, der Kosovo brauche ein arbeitendes Parlament, nicht nur eine Regierung und eine Präsidentin. Eine wichtige Rolle spielt dabei die LDK, deren Chef Lumir Abdixhiku die Präsidentenfrage ganz oben auf die Tagesordnung setzen will – und zwar mit Osmani als Kandidatin. Auch Osmani selbst knüpft Gespräche an ihre Person.