Eine Miliz im Jemen hat angekündigt, Schiffe mit Ziel Saudi-Arabien an einer wichtigen Meerenge zu stoppen – nun steht eine zweite Ölroute weltweit unter Druck.

Die Huthis sind eine bewaffnete Gruppe im Jemen, die vom Iran unterstützt wird. Sie haben jetzt verkündet, dass sie Schiffe, die nach Saudi-Arabien fahren oder von dort kommen, nicht mehr durch die Meerenge Bab al-Mandab am Horn von Afrika lassen wollen. Die Meerenge liegt zwischen Afrika und Arabien und ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Im Juni flossen dort laut Datenanbietern täglich 7,4 Millionen Barrel Öl durch – das sind etwa sieben Prozent der gesamten Weltproduktion. Vor einem Jahr waren es noch deutlich weniger, weil viele Lieferungen einen anderen Weg nahmen.

Der Grund für die Blockade ist ein Streit: Die Huthis sagen, Saudi-Arabien habe einen Flughafen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa angegriffen, auf dem ein iranisches Flugzeug hätte landen sollen. Die Huthi-Führung nennt ihre Aktion „Auge um Auge". Gleichzeitig ist eine andere wichtige Ölroute, die Straße von Hormus, wegen des Konflikts zwischen den USA und Iran schon seit Tagen fast unpassierbar. Dadurch verlieren die Weltmärkte ohnehin täglich etwa vier Millionen Barrel Öl.

Saudi-Arabien hat einen Großteil seiner Ölexporte in den Hafen Janbu am Roten Meer umgeleitet, weil die Straße von Hormus dicht ist. Mehr als 70 Prozent der üblichen Tagesmenge gehen jetzt über diesen Hafen – das ist das Vierfache von dem, was vor dem Krieg verschifft wurde. Janbu liegt 1.300 Kilometer von den Stellungen der Huthis entfernt und ist damit in Reichweite der Miliz. Saudi-Arabien überlegt laut einem Reuters-Bericht, seine Pipeline an der Küste des Roten Meeres auszubauen, um mehr Öl transportieren zu können.