Nach dem Tod eines psychisch kranken Häftlings fordert eine Expertenkommission des Justizministeriums grundlegende Reformen im österreichischen Strafvollzug.

Was ist passiert? Am 3. Dezember 2025 ist in der Justizanstalt Hirtenberg ein schwer psychisch kranker Häftling gestorben. Er war zuvor in einer extra gesicherten Zelle von Justizwachebeamten fixiert worden und hatte dabei schwere Verletzungen erlitten. Eine Expertenkommission unter Leitung von Wolfgang Gratz hat den Fall untersucht und kommt zu dem Schluss, dass der Tod mit hoher Wahrscheinlichkeit vermeidbar gewesen wäre. Die Kommission hat 78 Reformvorschläge vorgelegt und beschreibt vor allem den Umgang mit psychisch kranken Häftlingen als problematisch. Zwölf Justizwachebeamte werden wegen Körperverletzung mit Todesfolge unter Missbrauch der Amtsgewalt ermittelt.

Wer hilft? Das Justizministerium hat die unabhängige Expertenkommission eingesetzt, damit so etwas nicht wieder passiert. Justizministerin Anna Sporrer hat angekündigt, dass sie jetzt handeln will und nicht mehr einfach weitermachen möchte wie bisher. Erste Verbesserungen gibt es schon: Speziell gesicherte Zellen werden renoviert, das Personal wird im Umgang mit psychisch kranken Menschen geschult, und sogenannte Betonbetten wurden entfernt. Gratz betont, dass die Psychiatrie dem Strafvollzug zeigen kann, wie man mit solchen Patientinnen und Patienten besser umgeht.

Was kannst du tun? Auch wenn du nicht direkt betroffen bist, ist das Thema wichtig: Es geht darum, wie ein Staat mit den schwächsten Menschen in seiner Obhut umgeht. Wenn dich solche Fragen interessieren, kannst du dich über die Arbeit von Justiz, Volksanwaltschaft und Menschenrechtsorganisationen informieren. In der Schule oder mit Freundinnen und Freunden lässt sich darüber diskutieren, was ein fairer und menschlicher Umgang mit Strafe bedeutet und welche Alternativen zur Haft es geben könnte.