Ein Gericht in Kehl hat entschieden, dass der Besitzer und die Steuerfrau eines Frachtschiffs nach einem schweren Unfall an einer Rheinschleuse 1,7 Millionen Euro zahlen müssen.
Vor etwa zweieinhalb Jahren ist das Frachtschiff "La Primavera" mitten in der Nacht ungebremst in ein Schleusentor bei Iffezheim am Rhein gefahren. Das Tor wurde komplett zerstört. Der Grund: Die Steuerfrau, die das Schiff in diesem Moment lenken musste, war am Steuer eingeschlafen. Mindestens zwanzig Minuten habe sie geschlafen, hat das Gericht festgestellt. Wegen dieses Unfalls war die Schleuse danach 14 Monate lang nur eingeschränkt nutzbar.
Das Amtsgericht Kehl hat nun als Rheinschifffahrtsgericht entschieden. Die Bundesrepublik Deutschland, der die Schleuse gehört, hatte fast vier Millionen Euro Schadensersatz verlangt. Herausgekommen sind aber nur 1,7 Millionen Euro. Der Grund: Für Schiffe auf Binnenwasserstraßen gibt es gesetzliche Obergrenzen, bis zu denen Eigner und Besatzung zahlen müssen. Nur wenn jemand absichtlich oder extrem leichtsinnig gehandelt hat, kann man mehr verlangen. Das hat das Gericht hier verneint, obwohl die Frau in der Nacht vorher Alkohol getrunten hatte und ihr Blutalkohol laut Staatsanwaltschaft mindestens 1,13 Promille betrug.
