Im Juli 1976 trat in Norditalien eine giftige Dioxin-Wolke aus einer Chemiefabrik aus – ihre Folgen wirken bis heute nach.
Was passierte? Am 10. Juli 1976 lief in der Chemiefabrik Icmesa nahe der italienischen Stadt Seveso ein Reaktor über. Dabei traten schätzungsweise ein bis zwei Kilogramm Dioxin aus, eines der stärksten bekannten Gifte. Die Wolke verteilte sich über ein Gebiet von 18 Quadratkilometern mit rund 40 000 Bewohnern. Viele Kinder erkrankten an Chlorakne, einer schweren Hautkrankheit. Direkt starb zwar niemand, doch die langfristigen Folgen für die Gesundheit sind gross.
Wer hat geholfen? Der damalige Icmesa-Mitarbeiter Carlo Galante betrat kurz nach der Explosion den Raum mit dem überhitzten Reaktor, öffnete ein Kühlventil und stoppte so den weiteren Austritt der Giftwolke. Später koordinierte der Arzt Paolo Mocarelli jahrzehntelange Untersuchungen der Bevölkerung. Die Erkenntnisse aus Seveso führten zu schärferen EU-Regeln für die Chemieindustrie, den sogenannten Seveso-Richtlinien, und zum Basler Übereinkommen über den Transport von Sondermüll.
