In dem kleinen Ort Salurn in Südtirol dürfen muslimische Frauen einmal pro Woche abends allein im Freibad schwimmen.
Stell dir vor, du willst schwimmen gehen, fühlst dich aber in normaler Badekleidung nicht wohl. Genau darum geht es in Salurn. Das Freibad dort, das Lido, öffnet ab nächster Woche jeden Montag von 18.30 bis 19.30 Uhr extra für muslimische Frauen aus der Umgebung. Dann ist das Bad für sie reserviert, und sie dürfen einen Burkini tragen – das ist ein Ganzkörper-Badeanzug, der fast den ganzen Körper bedeckt.
Der Betreiber Luca Lechthaler sagt: Er möchte, dass möglichst alle Leute ins Schwimmbad kommen können, auch Menschen, die sonst nicht kommen würden. Das gilt zum Beispiel für Frauen, die aus religiösen Gründen nur unter sich schwimmen möchten oder sich in normaler Badekleidung unwohl fühlen. Solche Sonderzeiten nach dem normalen Badebetrieb gibt es in dem Bad auch für andere Vereine und Gruppen, etwa für Schwimmkurse.
Die Politikerin Julia Unterberger von der Südtiroler Volkspartei (SVP) findet das gut. Sie sagt, die Aktion schaffe eine zusätzliche Möglichkeit, am Leben in der Stadt teilzunehmen. Wer sich ausgeschlossen fühle, könne so Sport machen, andere Leute treffen und einen öffentlichen Raum nutzen. Sie sagt auch: „Emanzipation entwickelt sich nicht durch Ausgrenzung, sondern durch mehr Freiheit und mehr Teilhabe".
Andere Politikerinnen und Politiker sehen das anders. Silvia Sardone von der rechten Partei Lega nennt die Aktion „absurd". Sie meint, sie fördere nicht Integration, sondern eine Trennung von Männern und Frauen. Auch die Südtiroler Freiheitlichen sind skeptisch: Sie sagen, solche Regeln würden ein Bild von Frauen fördern, das auf Unterdrückung und Zwang beruht.
