Ein Herzspezialist der Berliner Charité wurde schon 2024 verurteilt – jetzt hat ein hohes Gericht gesagt: noch mal von vorne.

Was ist passiert? Ein 56-jähriger Arzt, der an der bekannten Berliner Klinik Charité gearbeitet hat, soll im Jahr 2021 und 2022 zwei schwer kranke Patienten auf der Intensivstation getötet haben. Er hat ihnen das Narkosemittel Propofol in einer viel zu hohen Dosis gegeben. Propofol ist eigentlich ein Mittel, mit dem Ärzte Patienten in Narkose versetzen. In einer zu hohen Menge kann es das Herz aufhören lassen zu schlagen. Die beiden Patienten waren 73 Jahre alt. 2024 wurde der Arzt zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, weil das Gericht Totschlag annahm – also eine Tötung ohne Mordmerkmale. Jetzt hat der Bundesgerichtshof in Leipzig gesagt: Das Urteil ist nicht richtig, der Fall muss noch einmal vor Gericht.

Wer hilft? Wichtig ist, dass jemand den entscheidenden Hinweis gegeben hat. Nach Angaben der Charité war das ein anonymer Tipp, der über ein Whistleblower-System mit Vertrauensanwälten kam. So ein System ist dafür da, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Auffälligkeiten melden können, ohne ihren Namen nennen zu müssen. Die Polizei hat danach ermittelt, der Arzt kam im Mai 2023 in Untersuchungshaft. Die Charité hat den Oberarzt im August 2022 von seinen Aufgaben freigestellt. Außerdem entscheidet jetzt ein anderes Gericht in Berlin noch einmal neu über den Fall.