In der Türkei hat ein Gericht den Chef der größten Oppositionspartei abgesetzt; dann stürmte die Polizei deren Zentrale.

Stell dir vor, eine von dir gewählte Partei wird einfach von einem Gericht aufgelöst – so ähnlich ist gerade in der Türkei etwas passiert. Die Partei CHP hatte ihren Vorsitzenden Özgür Özel auf einem Parteitag im Jahr 2023 demokratisch gewählt. Ein Gericht in Ankara hat diesen Parteitag jetzt für ungültig erklärt und Özel wieder abgesetzt. Der alte Chef Kemal Kilicdaroglu wurde stattdessen eingesetzt. Danach ordnete der Gouverneur von Ankara die Räumung der Parteizentrale an. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein. Verletzt wurde dabei niemand.

Es gibt aber viele, die sich für die Demokratie starkmachen. Özgür Özel und Tausende Anhänger sind friedlich zum Parlament marschiert und haben protestiert. Die Europäische Union hat das Vorgehen kritisiert und gesagt, das werfe Fragen nach Rechtsstaatlichkeit und unabhängigen Gerichten auf. Auch Politologen nennen das Vorgehen beispiellos in der türkischen Geschichte. Solche Reaktionen zeigen, dass die Welt genau hinschaut und Demokratie etwas ist, wofür viele einstehen.