Österreich will in den nächsten Jahren neue Facharztzentren aufbauen, damit ihr schneller einen Termin beim Spezialisten bekommt.

Was ist geplant? Die Regierung will bis 2040 rund 75 Facharztzentren in ganz Österreich bauen. In diesen Zentren arbeiten Ärztinnen und Ärzte aus mindestens fünf Fachrichtungen unter einem Dach, dazu kommt nicht-ärztliches Personal wie Pflegekräfte oder Therapeutinnen. Das Vorbild dafür sind die Primärversorgungseinheiten (PVE), die es für Allgemeinmedizin schon gibt – aktuell 117 Stück, bis 2030 sollen es 300 werden.

Warum macht man das? Viele Behandlungen laufen heute doppelt: einmal in Spitalsambulanzen, einmal bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. Das macht das System teuer und die Wartezeiten lang. Wenn ihr zum Beispiel mit einer Knieverletzung zum Orthopäden wollt, kann es Wochen dauern. Die Facharztzentren sollen die Spitäler entlasten, längere Öffnungszeiten anbieten und Wartezeiten verkürzen.

Wer bezahlt das? Den Start zahlt der Bund, die Dauerfinanzierung läuft über einen gemeinsamen Topf von Bund, Ländern und Sozialversicherung. Diese Verhandlungen werden in den nächsten Finanzausgleich eingebaut, der am 1. Jänner 2029 in Kraft treten soll. Patientinnen und Patienten müssen also vorerst nicht mehr bezahlen – die Zentren sollen über die E-Card funktionieren.

Was sagen Kritiker? Der Wiener Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer meint, dass schon bei den PVE die Finanzierung zwischen Ländern und Sozialversicherung nicht richtig klappt. Auch Daten, ob die Zentren die Spitäler wirklich entlasten, fehlen bisher. Die Wiener Ärztekammer findet die Idee grundsätzlich gut, fordert aber, dass die Ärzteschaft eingebunden wird. Angelika Widhalm vom Bundesverband Selbsthilfe Österreich begrüßt die Reform, weil Patientinnen und Patienten bisher oft im Kreis geschickt wurden.