In Kolumbien stehen sich bei der Präsidentschaftswahl zwei Kandidaten gegenüber, die das Land in völlig unterschiedliche Richtungen führen wollen – und der Ton ist extrem rau.

Stell dir vor, in deinem Land wählen zu gehen, und die beiden Kandidaten beschimpfen sich gegenseitig als „Banditen“ und „Faschisten“. Genau das passiert gerade in Kolumbien. Der rechte Kandidat Abelardo de la Espriella, ein 47-jähriger Anwalt und Multimillionär, hat die erste Runde knapp gewonnen. Sein linker Gegner Iván Cepeda, ein 63-jähriger Senator und Menschenrechtsaktivist, wurde Zweiter. Jetzt treten beide am 21. Juni in einer Stichwahl gegeneinander an. Der Wahlkampf war überschattet von Gewalt: Autobomben, Drohnenangriffe und sogar Morde an Politikern. De la Espriella sprach hinter dickem Panzerglas zu seinen Anhängern und sagte, er werde sich „für Kolumbien umbringen, falls es nötig ist“. Cepeda wiederum nannte ihn einen „rechtsextremen Faschisten“. Viele Menschen im Land haben Angst – entweder vor einer Fortsetzung der bisherigen Politik oder vor einem autoritären Rechtsruck.

Trotz der aufgeheizten Stimmung gibt es Menschen und Organisationen, die sich für einen friedlichen Ablauf einsetzen. Die unabhängige Wahlkommission arbeitet daran, alle Stimmen korrekt auszuzählen und die vorläufigen Ergebnisse zu überprüfen. Internationale Stiftungen wie die Konrad-Adenauer-Stiftung beobachten die Lage genau und sprechen offen über die Gewalt, damit sie nicht totgeschwiegen wird. Auch viele zivilgesellschaftliche Gruppen in Kolumbien rufen dazu auf, Ruhe zu bewahren und auf demokratische Prozesse zu vertrauen. Sie erinnern daran, dass Wahlen der richtige Weg sind, um politische Veränderungen zu erreichen – nicht Gewalt.