Deutschland hat eine EU-Regel für mehr Gehaltsgerechtigkeit nicht rechtzeitig umgesetzt – jetzt droht ein Streit mit der EU.
Was ist passiert? Die EU wollte, dass alle Mitgliedstaaten bis zum 7. Juni 2026 neue Regeln für mehr Lohntransparenz in ihre eigene Gesetzgebung übernehmen. Das bedeutet: Beschäftigte sollen erfahren dürfen, was Kolleg:innen mit vergleichbarer Arbeit verdienen, und große Arbeitgeber sollen regelmäßig melden, wie groß der Unterschied zwischen Frauen und Männern ist. Deutschland hat diese Frist verstreichen lassen. Die EU-Kommission prüft nun, ob sie ein Vertragsverletzungsverfahren einleitet, also eine Art formelle Rüge.
Wer hilft weiter? Familienministerin Karin Prien sagt, dass die Richtlinie trotzdem kommen wird – nur etwas später, wahrscheinlich Anfang 2027. Sie verhandelt mit anderen EU-Ländern, um die Umsetzung möglichst unkompliziert zu gestalten. In Deutschland gibt es seit 2017 das Entgelttransparenzgesetz, das Beschäftigten Auskunft über Gehälter im eigenen Betrieb gibt. Außerdem zeigen Zahlen von Eurostat, dass Frauen in Deutschland im Schnitt 15,6 Prozent weniger pro Stunde verdienen als Männer – EU-weit sind es 11,1 Prozent. Das macht deutlich, dass sich etwas ändern muss.
