Die berühmten Wagner-Festspiele in Bayreuth werden 150 Jahre alt, doch das Jubiläum steht unter einem schwierigen Thema: der Verstrickung des Festivals mit dem Nationalsozialismus.

Was ist passiert? Die Bayreuther Festspiele zählen zu den bekanntesten Musikfesten der Welt. Seit 1876 werden dort Opern von Richard Wagner aufgeführt. Doch das Festival hat eine dunkle Geschichte: Adolf Hitler war ein gern gesehener Gast auf dem Grünen Hügel, und die Familie Wagner unterstützte den Aufstieg der Nationalsozialisten schon ab etwa 1923. Richard Wagner selbst hatte außerdem antisemitische Ansichten. Deshalb stellen sich viele Menschen die Frage: Darf man Wagner heute noch feiern – und wenn ja, wie geht man ehrlich mit dieser Geschichte um? Genau darüber wird im Jubiläumsjahr heftig gestritten.

Wer hilft? Mehrere Künstler und Wissenschaftler versuchen, das Festival zum Nachdenken zu bringen. Regisseur Barrie Kosky baute für eine Inszenierung den Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse als Bühne nach. Der Publizist Michel Friedman, dessen Familie im Holocaust ermordet wurde, sollte eigentlich im Festspielhaus sprechen – sein Auftritt wurde aber zuerst abgesagt. Nach großem Protest entschuldigte sich Festspielchefin Katharina Wagner, und Friedman darf nun doch am 26. Juli reden. Außerdem erinnert eine Ausstellung unter freiem Himmel mit dem Titel „Verstummte Stimmen" an jüdische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Festivals, die verfolgt und ermordet wurden.