Vor 37 Jahren hat die chinesische Armee friedliche Proteste auf dem Tiananmen-Platz gewaltsam beendet – und bis heute kämpfen Angehörige und Aktivisten darum, dass die Opfer nicht vergessen werden.

Was ist passiert? Im Juni 1989 haben sich in Peking Studierende auf dem großen Tiananmen-Platz versammelt. Sie wollten mehr Demokratie und Meinungsfreiheit. In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni schickte die Regierung Panzer und Soldaten. Dabei wurden nach Schätzungen von Amnesty International bis zu 3.000 Menschen getötet. Viele Familien wissen bis heute nicht, was genau mit ihren Angehörigen geschah. In China darf über das Ereignis offiziell nicht gesprochen werden, in den Schulen wird es nicht unterrichtet, und im Internet tauchen fast keine Informationen dazu auf. Auch in Hongkong, wo lange Zeit Kerzen am Victoria Park entzündet werden durften, sind solche Gedenkveranstaltungen seit dem Sicherheitsgesetz von 2020 verboten.

Wer hilft? Trotz aller Verbote gibt es Menschen, die nicht schweigen. Die Gruppe „Mütter von Tiananmen“ fordert seit Jahren Aufklärung und Entschädigung von der Regierung. In Hongkong liest die Aktivistin Tang Ngok Kwan am Jahrestag leise die Namen der Opfer vor – unter den Augen von Polizisten in Zivil. Der Künstler Chen Sanmu hat einen 6,4 Meter langen roten Faden aufgehängt, der an das Datum erinnert. Auch viele junge Chinesinnen und Chinesen suchen heimlich im Internet nach Informationen und erfahren so Stück für Stück, was 1989 geschah. US-Außenminister Marco Rubio erklärte zum Jahrestag: „Kein Ausmaß an Zensur kann die Vergangenheit auslöschen.“ Amnesty International nannte es einen „herzlosen Akt“, dass Angehörige in Peking nicht einmal die Gräber ihrer Familien besuchen durften.