Im Karl-Marx-Hof in Wien wurde eine Gedenktafel für 46 jüdische Menschen enthüllt, die 1938 aus dem Haus vertrieben und später ermordet wurden.

Am 14. Juni 1938 passierte etwas Schlimmes: Die Nationalsozialisten befahlen, dass alle jüdischen Mieter aus den Wiener Gemeindebauten ausziehen mussten. Sie hatten nur zwei Wochen Zeit, ihr Zuhause zu verlassen. Im Karl-Marx-Hof, einem riesigen Wohnhaus in Wien-Döbling, lebten damals 212 jüdische Menschen. 46 von ihnen wurden bis 1945 ermordet. 67 konnten fliehen, knapp zwei Drittel überlebten die NS-Zeit. Am Samstag, genau 88 Jahre später, wurde dort eine neue Gedenktafel enthüllt, auf der die Namen der 46 Ermordeten stehen. Das Datum wurde bewusst ausgewählt, um an diesen Tag zu erinnern.

Bei der Gedenkveranstaltung sprachen wichtige Personen aus Wien: Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch, Wiener Wohnen-Vizedirektor Johannes Pritz, der wissenschaftliche Leiter des DÖW Dr. Andreas Kranebitter und IKG-Vizepräsidentin Claudia Prutscher. Sie alle sagten, dass Erinnerung konkrete Orte und Namen braucht. Hanel-Torsch erklärte: "Der Gemeindebau war und ist seinen Bewohnerinnen und Bewohnern immer mehr als nur Wohnraum – er war Lebensmittelpunkt, Heimat und Schutzraum." Das Forschungsprojekt "Der Gemeindebau in der NS-Zeit" wurde vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) zwischen 2022 und 2025 im Auftrag von Wiener Wohnen durchgeführt. Es rekonstruierte die Lebenswege der Betroffenen.