Ein Forschungsteam hat es geschafft, eine antike verkohlte Schriftrolle aus Herculaneum am Computer zu entrollen und rund 140 Textspalten zu lesen – ohne das Original auch nur anzufassen.
Stell dir vor: Vor fast 2000 Jahren brach in Italien der Vulkan Vesuv aus und begrub die Stadt Herculaneum unter einer dicken Ascheschicht. In einer Villa fand man später eine Bibliothek mit Schriftrollen – doch sie waren durch die Hitze so verkohlt, dass sie bei jeder Berührung zerbröseln. Über Jahrhunderte konnte man sie deshalb kaum lesen. Jetzt hat ein Team der Vesuvius Challenge die Rollen mit supergenauen Scans und cleverer Software virtuell aufgerollt. Auf einem Bildschirm erscheinen dann die Buchstaben, die vor 2000 Jahren mit Tinte auf das Papyrus geschrieben wurden.
Brent Seales von der University of Kentucky sagte auf einer Konferenz in Neapel stolz: "Ich bin überzeugt, dass wir jede einzelne Schriftrolle der Sammlung lesen werden." Seine Kollegin Federica Nicolardi erklärte, dass man sich jetzt nicht mehr entscheiden muss, ob man die Rollen schützt oder ob man sie liest – beides geht nun gleichzeitig. Auch Texte des alten Philosophen Philodemus und ein Papyrus aus dem 3. Jahrhundert vor Christus über Ethik und menschliches Verhalten wurden so sichtbar gemacht.
