Einige Jungen geraten auf TikTok an Videos, in denen Gewalt und einengende Männerbilder verbreitet werden – zwei Berliner Schüler erzählen, wie ein Schulprojekt ihnen geholfen hat, damit umzugehen.
Was ist passiert? Auf TikTok landen manche Jungen, die sich zum Beispiel für Fitness interessieren, immer wieder bei Videos, die der sogenannten Manosphere zuzuordnen sind – einem Sammelbegriff für frauenfeindliche Online-Communities. Dort heißt es zum Beispiel, eine Frau solle einmal pro Woche geschlagen werden, damit sie weiß, „wer der Mann im Haus ist". Auch der Trend Bonesmashing gehört dazu: Dabei schlagen sich Leute mit einem Hammer ins Gesicht, weil sie glauben, ihr Gesicht werde dadurch kantiger. Elias (15, Name geändert) berichtet, er habe so ein Video ungefähr jedes dritte bis vierte Mal gesehen und verbringe bis zu acht Stunden täglich auf der Plattform.
Wer hilft? In Berlin begleitet der Pädagoge Maximilian Schneider vom Verein „Gesicht Zeigen!" Neuntklässler ein halbes Jahr lang – auch an der Georg-Weerth-Schule in Friedrichshain. In zwei Wochenstunden sprechen Schneider und eine Kollegin mit den Jungen, während zwei Kolleginnen getrennt mit den Mädchen reden. Themen sind Identität, Geschlechterrollen und Männlichkeit, ohne zu verurteilen. Schneider bringt die Botschaft der Manosphere auf den Punkt: „Der Mann ist der Ernährer, der Mann ist dominant, der Mann ist kontrolliert." Zugleich sagt er: „Wir bewerten das nicht, wir sagen nicht, es ist schlecht, pumpen zu gehen, auf gar keinen Fall." Der Chirurg Jörg Wiltfang von der DGMKG warnt vor Bonesmashing, weil Schläge ins Gesicht nur Schwellungen, aber keine Mikrofrakturen erzeugen – und schwere Verletzungen verursachen können.
