Die Bundesregierung will, dass du bei jeder Erkältung sofort zum Arzt gehst – doch Ärztinnen, Krankenkassen und sogar Teile der Koalition finden das keine gute Idee.
Stell dir vor, du wachst mit Halsschmerzen auf. Bisher konntest du in vielen Fällen kurz anrufen und eine Krankschreibung bekommen. Das nennt man Telefon-AU. Die schwarz-rote Koalition aus CDU/CSU und SPD will diese Möglichkeit jetzt abschaffen. Außerdem soll die Pflicht, eine Krankmeldung abzugeben, schon ab dem ersten Krankheitstag gelten – nicht erst ab dem dritten oder vierten Tag, wie es viele Arbeitgeber heute handhaben. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagen: So soll der Krankenstand sinken.
Die Krankenkassen der Betriebskrankenkassen (BKK) haben sich die Daten genau angeschaut. Ihr Ergebnis: Nicht kurze Erkältungen treiben die Kosten, sondern lange schwere Krankheiten. Vorständin Anne-Kathrin Klemm erklärt, dass vor allem Muskel-Skelett-Probleme und psychische Leiden die teuren Fälle sind. Psychische Erkrankungen machen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, dauern aber im Schnitt über fünf Wochen. Das Krankengeld, das erst ab dem 43. Krankheitstag fließt, ist mit 21,6 Milliarden Euro einer der größten Posten im Gesundheitssystem. Klemm fordert deshalb mehr Prävention – also Maßnahmen, die Krankheiten verhindern, bevor sie entstehen.
