Der russische Politiker Boris Nadeschdin wollte bei der Parlamentswahl im September antreten, doch jetzt zieht er seine Kandidatur zurück und sagt, er sei zum Schweigen gebracht worden.

Was ist passiert? Boris Nadeschdin ist einer der wenigen Politiker in Russland, die sich trauen, Präsident Putin und den Krieg gegen die Ukraine offen zu kritisieren. Er wollte im September 2026 bei der russischen Parlamentswahl, der sogenannten Dumawahl, antreten. Nun hat er über den Onlinedienst Telegram bekannt gegeben, dass er aufhört. Er schreibt, er sei zum Schweigen gebracht und aus der Politik gedrängt worden. Seine Möglichkeiten, in Russland auf legalem Weg Opposition zu machen, seien ausgeschöpft. Außerdem wollte er die Menschen, die ihn unterstützt haben, nicht in Gefahr bringen.

Wer hilft? Ganz konkret helfen kann Nadeschdin niemand mehr aus Russland selbst. Internationale Medien, Exiljournalisten und Menschenrechtsorganisationen beobachten jedoch genau, was mit Kritikern wie ihm passiert. Sie berichten aus dem Ausland über die Vorgänge in Russland und machen so sichtbar, wie der Spielraum für Opposition immer enger wird. Auch im Exil lebende russische Oppositionelle hatten 2024 dazu aufgerufen, für Nadeschdin zu stimmen, obwohl er bei vielen Wählern nicht beliebt war. Viele Russinnen und Russen machten damals deutlich, dass sie einfach jemand anderen als Putin wollten, selbst wenn sie Nadeschdin nicht mochten.