In Brasilien kämpfen jedes Jahr zwei bunte Stier-Figuren um die Gunst des Publikums – und teilen eine ganze Stadt in zwei Lager.
Stell dir vor, eine ganze Insel im Amazonas verwandelt sich in ein riesiges Fußballstadion – nur ohne Tore, dafür mit Trommlern, Tänzern und riesigen leuchtenden Stieren. Genau das passiert Ende Juni in der Stadt Parintins. Seit über hundert Jahren gibt es dort ein großes Volksfest, bei dem zwei Gruppen gegeneinander antreten: Garantido in Rot und Caprichoso in Blau.
Drei Nächte lang erzählen beide Seiten auf der Bühne Geschichten über den Regenwald, über Ureinwohner und alte Mythen. Eine Jury schaut ganz genau zu und gibt Punkte. Jubelt das Publikum für den falschen Stier, gibt es Abzüge. Deshalb sind die Fans in der Nacht der Gegenseite mucksmäuschenstill.
Das Besondere: Auch im Alltag merkt man die Spaltung. Priscila ist Fan des blauen Stiers, ihr Mann Marcinaldo steht zum roten. Sie sagen: Vor dem Fest vertragen wir uns, aber sobald die Stier-Saison losgeht, wird viel geneckt – er findet ihren Stier hässlich, sie seinen.
