Eine traditionalistische Gruppe hat in der Schweiz vier Priester zu Bischöfen gemacht, obwohl der Papst es verboten hatte. Was steckt dahinter?

Stell dir vor, jemand macht sich einfach selbst zum Chef – auch wenn der eigentliche Chef nein gesagt hat. Genau das ist am Mittwoch in einem kleinen Ort in der Schweiz passiert, und zwar in der katholischen Kirche. Eine Gruppe namens Priesterbruderschaft St. Pius X hat dort vier eigene Priester zu Bischöfen geweiht. Papst Leo XIV. hatte davor eindringlich gewarnt: «Kehrt um!» Doch die Gruppe hat die Weihe trotzdem durchgezogen, vor Tausenden Leuten.

Die Piusbruderschaft ist eine traditionalistische Gruppe innerhalb der katholischen Kirche. Sie wurde 1970 gegründet, weil ihre Mitglieder die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnen. Damals, in den 1960er Jahren, hat sich die katholische Kirche modernisiert: Die Messe durfte zum Beispiel in den Sprachen der Länder gefeiert werden, nicht nur auf Latein. Die Piusbrüder wollen aber die alte lateinische Messe behalten und lehnen viele dieser Öffnungen ab. Für sie ist das ein Bruch mit der wahren Tradition. Schon 1988 hatte der Gründer der Gruppe, Erzbischof Marcel Lefebvre, ohne Erlaubnis Bischöfe geweiht und wurde daraufhin aus der Kirche ausgeschlossen, das nennt man Exkommunikation.