In deutschen Antiquariaten gehen seit Wochen nächtliche Großbestellungen aus den USA ein – möglicherweise für das Training eines KI-Chatbots.
Seit Ende April bekommen Antiquariate in Deutschland nachts massenhaft Bestellungen aus den USA – oft um kurz vor drei Uhr morgens. Eine kanadische Firma namens Zoom Books gibt sich als "Buch-Recycler" aus, doch Recherchen der Washington Post, von MDR und NDR zeigen: Wahrscheinlich steckt das KI-Unternehmen Anthropic dahinter, das mit dem Chatbot Claude bekannt ist. Das interne Projekt heißt "Project Panama". Ziel sei laut geleakten Papieren, "alle Bücher der Welt destruktiv zu scannen", also die Bücher dafür auseinanderzunehmen.
Konkret funktioniert es so: Roboter trennen die Buchrücken ab, scannen die losen Seiten und werfen das Papier weg. Das ist in den USA nach einem Urteil von Juni 2025 erlaubt, weil dort das sogenannte Fair-Use-Prinzip gilt. In Europa ist so etwas aber nicht erlaubt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nennt das Ganze einen "klaren und massiven Verstoß gegen das Urheberrecht". Er fordert, dass KI-Firmen in Zukunft sagen müssen, mit welchen Daten sie ihre Modelle trainieren.
