In Armenien hat die Partei des prowestlichen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan die Parlamentswahl gewonnen, doch der Druck aus Russland bleibt groß.

Was ist passiert? In Armenien, einem kleinen Land zwischen der Türkei und Aserbaidschan, wurde am 8. Juni 2026 ein neues Parlament gewählt. Erste Hochrechnungen sehen Paschinjans Partei Zivilvertrag klar vorne: etwa 51 bis 57 Prozent der Stimmen. Die wichtigste Gegenpartei Starkes Armenien, die als prorussisch gilt, kam auf rund 21 bis 23 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit 59 Prozent deutlich höher als bei der letzten Wahl 2021. Paschinjan sprach in der Wahlnacht von einem "historischen Sieg". Bei der Wahl stand vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Soll Armenien sich stärker an den Westen, also an die EU, anlehnen – oder soll das Land so eng bei Russland bleiben wie bisher?

Wer hilft? Die EU und die USA haben sich im Vorfeld klar hinter Armenien gestellt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte ein Hilfspaket über 50 Millionen Euro an und ermutigte europäische Firmen, in Armenien zu investieren. US-Außenminister Marco Rubio besuchte die Hauptstadt Eriwan wenige Tage vor der Wahl und unterzeichnete ein Kooperationsabkommen. Die Konrad-Adenauer-Stiftung beschreibt Armenien als demokratischen Vorreiter in der Region. Russland hingegen übt Druck aus: Es verhängte Einfuhrverbote für armenische Waren wie Blumen und Lebensmittel, drohte mit der Kündigung eines günstigen Gasvertrags und warnte vor wirtschaftlichen Folgen einer EU-Annäherung. Präsident Putin sagte sogar, Armenien solle die Frage in einem Referendum klären.