Nach dem historischen WM-Sieg gegen Brasilien feiern Millionen Norwegerinnen und Norweger mit einem Ruder-Ritual – und suchen damit neuen Zusammenhalt in einer schwierigen Zeit.
Stell dir vor, das ganze Land macht im selben Moment dieselbe Bewegung: Arme nach vorne, Arme zurück, immer im Takt. Genau das passiert gerade in Norwegen. Nachdem das Fußball-Team am Sonntag überraschend Brasilien besiegt hat und damit erstmals überhaupt ins Viertelfinale einer WM eingezogen ist, skandieren die Fans überall: "Ro! Ro! Ro!" – das bedeutet so viel wie "Rudert!". Im Parlament, in Kindergärten, in Altenheimen, vor dem Osloer Schloss und sogar auf dem Times Square in New York rudern die Menschen auf dem Trockenen mit. 22.000 Karten für die große Live-Übertragung im Frogner-Stadion in Oslo waren in weniger als 30 Sekunden ausverkauft. Sogar Kronprinz Haakon hat mitgemacht.
Hinter der Euphorie steckt eine schwierige Phase. Anfang des Jahres wurden Millionen Dokumente aus den Akten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Daraus wurde klar, dass Kronprinzessin Mette-Marit länger Kontakt zu Epstein hatte, als die Öffentlichkeit wusste. Ihr Sohn Marius Borg Høiby wurde im Juni zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, unter anderem wegen Vergewaltigung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Seit April untersucht eine Kommission im norwegischen Parlament, wie es so weit kommen konnte.
