Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Deutschland so viele politisch motivierte Straftaten gezählt wie nie zuvor. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die Zahlen am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Insgesamt waren es 85.837 Fälle – fast zwei Prozent mehr als im Jahr davor. Die meisten Taten, rund 42.544, gehen laut Bundeskriminalamt (BKA) von rechten Tätern aus. Besonders gestiegen sind Straftaten aus dem linken Spektrum: linksextreme Gewaltdelikte haben im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent zugenommen. Auch antisemitische und frauenfeindliche Taten sind deutlich häufiger geworden. Angriffe auf Polizistinnen und Polizisten haben um etwa fünf Prozent auf 5.144 Fälle zugenommen, mehr als ein Fünftel davon waren Gewalttaten.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat klare Worte gefunden. Er sagt: Die größte Gefahr komme aktuell vom Rechtsextremismus, aber auch linksextreme Gewalt nehme stark zu. BKA-Präsident Holger Münch nennt mehrere Gründe für den Anstieg: Die Gesellschaft ist demnach stärker gespalten, in sozialen Netzwerken wird extremistische Propaganda verbreitet, und internationale Konflikte – etwa im Nahen Osten – sorgen auch in Deutschland für Aufregung. Fast die Hälfte der antisemitischen Straftaten hängt laut Münch mit dem Nahost-Konflikt zusammen.